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SAG-AFTRA-Regeln fürs Selftape 2026: 8 Seiten, 48 Stunden und was der Vertrag nicht geändert hat

20. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert 25. August 2026

Elias Munk
Elias Munk· 14 Jahre Schauspiel

Die Abstimmung ist durch. Die SAG-AFTRA-Mitglieder haben den TV/Theatrical Contract 2026 am 4. Juni 2026 ratifiziert, mit 91,42 Prozent Ja-Stimmen. Er trat am 1. Juli 2026 in Kraft und läuft bis zum 30. Juni 2030.

Jetzt zu dem Teil, den in diesem Jahr kaum jemand richtig hinbekommen hat: Der Vertrag 2026 hat die Seitenlimits fürs Selftape nicht geändert, und er hat die Frist nicht geändert. Acht Seiten, zwölf bei einem weiteren Tape, 48 Stunden bis zur Abgabe. Das alles stammt aus dem Abkommen von 2023 und wurde unverändert übernommen. Falls du diesen Frühling einen Text gelesen hast, der behauptet, der neue Deal habe dir die 48 Stunden gebracht: Der beschreibt 2023 mit einem 2026er-Datum drauf.

Das ist keine Wortklauberei. Der Unterschied zeigt dir, welche Regeln seit drei Jahren feststehen und welche erst zwei Monate alt und dem Casting-Büro, mit dem du gerade diskutierst, vielleicht noch gar nicht bekannt sind.

Hier geht es um deine Rechte, nicht darum, wie du das Ding drehst. Dafür gibt es die Selftape-Checkliste, das ist ein eigener Job. Klartext hier, keine Rechtsberatung, von einem Schauspieler, nicht von einem Anwalt.

Was der Vertrag 2026 geändert hat, und was nicht

Das Wort "Selftape" taucht neunmal im Theatrical/Television Memorandum of Agreement 2026 auf, datiert auf den 27. Mai 2026. Alle neun Stellen stehen in Abschnitt 7. Das ist der gesamte Fußabdruck, den Selftapes im neuen Deal hinterlassen.

Aus 2023 übernommen, unverändert:

  • Maximal acht Seiten für ein erstes Tape, zwölf für weitere Tapes.
  • Eine 48-Stunden-Frist, 72 Stunden für Minderjährige.
  • Du kannst nicht gezwungen werden, Off-Book zu sein.
  • Nichts Knapperes als einen Badeanzug, den du auch in einem öffentlichen Schwimmbad tragen würdest, und keine Stunts.
  • Ein abgesteckter Slate, und keine vorgeschriebene App, Plattform oder Ausrüstung.

Neu seit 2026:

  • Für die Einreichung darf dir keine Gebühr berechnet werden.
  • Eine Aufnahme deines Vorsprechens darf nicht ohne deine vorherige schriftliche Zustimmung öffentlich zugänglich gemacht werden.
  • Bei Serienhauptrollen und größeren Rollen kannst du stattdessen um ein virtuelles Vorsprechen bitten.

Drei Ergänzungen, und keine davon rührt an Seiten oder Zeit. Die meiste Berichterstattung zum Deal 2026 stellt das ganze Paket so dar, als sei es auf einmal gekommen. So kommt es, dass irgendwo ein brandneues Seitenlimit zitiert wird, das schon seit 2023 gilt, während das wirklich neue Gebührenverbot mit keinem Wort erwähnt wird.

Wie viele Seiten dürfen sie dir schicken?

Acht für ein erstes Tape. Zwölf für weitere Tapes. Diese Zahlen standen schon im Abkommen von 2023, und der Vertrag 2026 hat sie genau dort gelassen, wo er sie vorgefunden hat.

Das Limit ist eine Obergrenze, keine Garantie. Nichts hindert ein Casting-Büro daran, dir drei Seiten zu schicken. Was dir die Zahl gibt, ist ein Satz, auf den du zeigen kannst, wenn um neun Uhr abends vierzehn Seiten reinkommen.

Wichtig zu wissen, wenn du auch in Großbritannien arbeitest: Equitys Regelwerk setzt die Grenze bei sechs Seiten, niedriger als die amerikanische Zahl. Die Annahme, der US-Vertrag sei der großzügigere, hält den tatsächlichen Zahlen nicht stand.

Wann beginnen die 48 Stunden wirklich?

Das ist der nützlichste Satz, den SAG-AFTRA je zu Selftapes veröffentlicht hat, und er steht in einem PDF, das fast niemand aufmacht.

Aus dem Contract Bulletin zu Selftapes der Gewerkschaft: "Die 48-Stunden-Frist beginnt, sobald das Casting die Mitteilung an den Darsteller oder seine Agentur schickt."

Oder seine Agentur. Die Uhr läuft ab dem Moment, in dem die Mitteilung bei deiner Vertretung ankommt, nicht bei dir. Landet die Mitteilung Dienstagfrüh in deiner Agentur und erreicht dein Postfach erst Dienstagabend, ist schon fast ein ganzer Arbeitstag weg, und das Casting hat trotzdem keine Regel gebrochen.

Das ist die eigentliche Antwort darauf, warum aus einer 48-Stunden-Regel bei dir immer wieder achtzehn Stunden werden. Meistens kürzt nicht das Casting heimlich das Fenster. Es ist die Lücke zwischen der Mitteilung, die bei der Agentur ankommt, und der Mitteilung, die bei dir ankommt.

Das verändert die Frage, die sich zu stellen lohnt. Nicht "gibt es Spielraum bei der Frist", gerichtet ans Casting, sondern "wann ist das reingekommen", gerichtet an deine Agentur. Lautet die Antwort "gestern", ist das Gespräch, das du brauchst, eines mit deiner Agentur, und das ist deutlich leichter als eines mit dem Casting, weil dabei niemand zugeben muss, etwas gebrochen zu haben. Für Minderjährige liegt das Fenster bei 72 Stunden.

Darf das Casting verlangen, dass du Off-Book bist?

Nein. Und was passiert, wenn sie es trotzdem versuchen, ist interessanter als die Regel selbst.

Für ein Selftape kannst du nicht gezwungen werden, den Text auswendig zu können. Macht ein Casting-Büro das Auswendiglernen zur Bedingung fürs Einreichen, dann verlangt es eigentlich kein Selftape mehr. Dann ist es ein virtuelles Vorsprechen, eine andere Kategorie im Vertrag, mit anderen Bedingungen.

Genau in dieser Umdeutung liegt die Verhandlungsmacht. "Ich muss nicht Off-Book sein" ist eine Weigerung, und Weigerungen kosten dich etwas. "Wenn Auswendiglernen Pflicht ist, ist das dann ein virtuelles Vorsprechen statt eines Selftapes?" ist eine Einordnungsfrage, und die gibt die Entscheidung zurück an die Person, die die Mitteilung geschrieben hat.

Du kannst dich trotzdem dafür entscheiden, Off-Book zu sein. Oft ist das sogar das bessere Tape. Der Punkt ist, dass es deine eigene Entscheidung bleibt und keine Bedingung fürs Einreichen. Wie du dahin kommst, ganz ohne Partner im Raum, ist ein eigenes Handwerk, und der vollständige Leitfaden zum Alleine-Proben ist die Langfassung davon.

Was das Fundament sonst noch abdeckt

Das Seitenlimit und die Uhr bekommen die ganze Aufmerksamkeit, aber sie sind nicht das ganze Fundament. Ein paar weitere Regelungen sind aus 2023 übernommen, und sie kommen öfter zur Sprache, als man erwarten würde.

Du kannst nicht gebeten werden, etwas Knapperes zu tragen als einen Badeanzug, den du auch in einem öffentlichen Schwimmbad tragen würdest, und du kannst nicht gebeten werden, für ein Vorsprechen einen Stunt zu machen.

Auch der Slate ist abgesteckt. Name, Größe, Wohnort, aktueller Aufenthaltsort, besondere Fähigkeiten und eine Aufnahme von Kopf bis Schulter oder eine Ganzkörperaufnahme. Das ist die Liste. Alles darüber hinaus ist eine Bitte, keine Pflicht.

Und das Casting kann dich nicht zwingen, eine bestimmte App, Plattform oder Ausrüstung zu benutzen. Sie können ein Format vorgeben, hoch oder quer, MP4 und so weiter. Sie können dich nicht dazu verpflichten, ein bestimmtes Tool zu kaufen oder herunterzuladen, nur um ein Tape zu verschicken.

Das Gebührenverbot und die Zustimmungsklausel

Zwei der Ergänzungen von 2026 sind kurz genug, um sie vollständig zu zitieren, und bei beiden lohnt es sich, sie genau zu lesen statt nur zusammengefasst.

Zu Gebühren: "Einem Darsteller darf keine Gebühr berechnet werden […] für das Hochladen eines Headshots, eines Reels, eines Selftapes oder für eine anderweitige Einreichung für die Rolle."

Das reicht weiter als nur Selftapes. Headshots und Reels werden ausdrücklich genannt, und "eine anderweitige Einreichung für die Rolle" ist als Auffangformel geschrieben. Kostet dich irgendein Schritt der Einreichung Geld, ist das der Satz, auf den du zeigst.

Zur Veröffentlichung: "Der Produzent darf keine Aufnahme eines Gesprächs oder Vorsprechens öffentlich zugänglich machen ohne die vorherige schriftliche Zustimmung des Darstellers."

Lies genau, was dasteht, und hör dort auf. Es deckt die öffentliche Verfügbarmachung deines Tapes ab, und es verlangt Zustimmung schriftlich und im Voraus. Es sagt nichts darüber, wer innerhalb einer Produktion die Datei zu sehen bekommt, und es ist keine allgemeine Zusicherung von Privatsphäre. Wer daraus eine macht, verwandelt einen echten Schutz in ein Argument, das er verliert.

Für eine größere Rolle um ein Live-Vorsprechen bitten

Die dritte Ergänzung, für Serienhauptrollen und größere Rollen: "Der Produzent bemüht sich nach Treu und Glauben, jedem Darsteller entgegenzukommen […], der ausdrücklich darum bittet, für die Rolle virtuell vorzusprechen."

Zwei Formulierungen tragen das ganze Gewicht. "Bemüht sich nach Treu und Glauben" ist keine Garantie für gar nichts. Und "ausdrücklich bittet" heißt, die Anfrage muss von dir kommen. Niemand bietet das von sich aus an. Bei einer Rolle, die groß genug ist, dass es zählt, existiert diese Klausel nur für die Leute, die sie tatsächlich nutzen.

Der Sideletter, den niemand veröffentlicht hat

Die eine wirklich offene Frage im Deal 2026 ist bisher kaum beachtet worden, weil das Dokument nicht öffentlich ist.

Neben dem MOA gibt es einen Sideletter zu den Nutzungsbedingungen von Casting-Plattformen. SAG-AFTRA äußerte "Bedenken hinsichtlich der Möglichkeit, dass externe Casting-Dienste Darsteller dazu verpflichten, Nutzungsbedingungen zuzustimmen, die es dem Dienst erlauben, von Darstellern eingereichtes Material auf eine Weise zu nutzen, die den Bestimmungen zu künstlicher Intelligenz widerspricht."

Heruntergebrochen: Du reichst über eine Plattform ein. Deren Nutzungsbedingungen erlauben ihr, das zu verwenden, was du hochlädst. Diese Bedingungen könnten genau die Nutzung erlauben, die die KI-Klauseln im Vertrag eigentlich verhindern sollen, und ihnen zuzustimmen ist die Voraussetzung, um überhaupt einreichen zu können.

Die Gewerkschaft hat die Sorge schriftlich festgehalten. Was tatsächlich vereinbart wurde, ist offen, weil der Text des Sideletters nicht veröffentlicht wurde, und wer dir erzählt, wozu er Produzenten oder Plattformen verpflichtet, rät nur. Bis er auftaucht, bleibt nur der wenig glanzvolle Weg: Lies die Nutzungsbedingungen der Plattform, über die du einreichst, und lies sie noch mal, wenn sie sich ändern.

Wo KI im Casting gerade steht

Neben dem Vertrag, und öfter nachgefragt als jede Klausel darin: Die International Casting Directors Association hat am 6. Juli 2026 ihr Statement zum Einsatz von KI im Casting aktualisiert. Es wird von Spotlight und von Casting-Verbänden in mehreren europäischen Ländern mitgetragen.

Das Statement erkennt an, dass KI genutzt wird, um "eingereichte Selftapes zu analysieren". Es hält fest: KI "darf nicht für die endgültige Besetzungsentscheidung genutzt werden". Und dazu, was danach mit deinem Material passiert: Daten "dürfen nicht zweckentfremdet werden, insbesondere nicht zum Trainieren von KI-Algorithmen".

Das ist ein Branchenprotokoll, keine Vertragsklausel, und der Unterschied zählt. Aber es ist das klarste öffentliche Eingeständnis von der anderen Seite der Einreichung, dass automatisierte Vorprüfung stattfindet, und die Grenze wird bei der endgültigen Entscheidung gezogen, nicht bei der ersten Sichtung. Falls du dich gefragt hast, ob dein Tape von etwas gelesen wird, bevor ein Mensch es tut: Der eigene Verband der Casting Directors hat jetzt schriftlich gesagt, dass das der Fall sein kann.

Wenn du in Großbritannien selftapest

SAG-AFTRAs Zahlen gelten nur innerhalb von SAG-AFTRAs Vertrag. In Großbritannien ist Equitys Regelwerk der Standard, und das ist bei beiden wichtigsten Zahlen strenger: eine Mindestfrist von vier Tagen und maximal sechs Seiten.

Es bezieht auch Stellung zum Reader, ein Zitat wert, egal auf welcher Seite des Atlantiks du arbeitest. "Ein Reader ist für ein gutes Selftape oft von Vorteil, sollte aber keine zwingende Voraussetzung sein." Und, getrennt davon: "Von Schauspielern wird nicht erwartet, dass sie für Reader bei ihren Selftapes bezahlen."

Vier Tage und sechs Seiten gegen 48 Stunden und acht Seiten, das ist eine große Lücke für denselben Job. Wenn du ohne Reader tapest, findest du in Selftape ohne Reader, welche Optionen es tatsächlich gibt.

Was du sagst, wenn die Forderung zu weit geht

Rechte nützen nur, wenn du sie in einem Satz sagen kannst, der nicht wie eine Beschwerde klingt. Drei, die das leisten:

Zu Seiten: "Der Vertrag begrenzt ein erstes Selftape auf acht Seiten. Gibt es Spielraum, die Sides zu kürzen?"

Zur Zeit: "Wann ist das im Büro eingegangen?" Gerichtet an deine Agentur, nicht ans Casting.

Zum Auswendiglernen: "Wenn Off-Book Pflicht ist, ist das dann ein virtuelles Vorsprechen statt eines Selftapes?"

Sarah Ramos, die im Verhandlungskomitee saß, hat es bei LAist während des Streiks 2023 klar gesagt: Selftapen ganz ohne Regeln sei "eine Belastung für unsere Ressourcen, eine Belastung für unsere Community und nicht tragbar." Das Fundament gibt es, weil Leute dafür gekämpft haben. Es zu nutzen ist derselbe Schritt, ein Vorsprechen nach dem anderen.

Keiner dieser Sätze ist ein Streit. Jeder ist eine Frage mit einem Vertrag im Rücken, und das kommt anders an als eine Vorliebe mit einem Gefühl im Rücken. Stell sie an dem Tag, an dem die Sides ankommen, bevor du ein Tape um eine Forderung herum gebaut hast, die dich nie hätte erreichen dürfen.

Elias Munk

Elias Munk ist dänischer Schauspieler und der Entwickler von blablabla. Vierzehn Jahre im Geschäft. Hat blablabla gebaut, weil das Proben nicht der schwere Teil am Schauspielen sein sollte. Das Spielen schon.

blablabla liest die Texte der anderen Figuren und wartet auf deinen.

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