blablabla
← Alle Beitrage
selftapeProbe

Selftape mit nur deinem iPhone - so funktioniert es wirklich

5. Mai 2026 · 6 Min. Lesen

Elias Munk
Elias Munk· 14 Jahre Schauspiel

Es ist immer die gleiche Situation. Die Seiten kommen spat. Du schreibst dem Kumpel, der normalerweise mit dir liest. Der ist auf der Arbeit. Die nachste ist gerade in Hamburg. Den dritten kannst du nicht nochmal fragen. Zu viele Gefalligkeiten in diesem Monat. Du schaust auf dein Handy und weißt: heute Abend machst du deinen Selftape mit nur deinem iPhone. Kamera, Mitspieler, Teleprompter - alles auf einem Gerat.

Hier ist, wie das funktioniert, ohne dass es auseinanderfliegt. Das Setup ist inzwischen gut genug, dass ich es dem alten Zwei-Gerate-System vorziehe. Das liegt vor allem daran, was mit blablabla 2.0 Ende April rausgekommen ist.

Warum der Ein-Telefon-Selftape fruher ein Workaround war

Die meiste Zeit in der Selftape-Geschichte bedeutete "mit dem Handy drehen": ein Stativ, ein zweites Handy mit dem Drehbuch drauf und ein Mitspieler am Telefon oder als Aufnahme. Drei Plastikteile, zwei Gerate, ein halbes Dutzend Kabel.

Das hab ich jahrelang so gemacht. Das Drehbuch-Handy fallt beim dritten Take vom Bucherregal. Der Mitspieler am Lautsprecher ist so laut, dass das Kameramikro ihn uber dir aufnimmt, oder so leise, dass du gegen Stille spielst. Die Teleprompter-App aus dem App Store kostet funfzehn Euro im Monat und kann nicht mit deinem Mitspieler reden.

Ein Selftape-Setup braucht drei Dinge gleichzeitig: die Kamera, den Mitspieler und den Drehbuchtext vor dir. Das Handy in deiner Hand kann das alles. Es brauchte nur die Software, die das wirklich probiert.

Das Minimum-Setup fur den iPhone-Selftape

Erst alles andere streichen. Das ist das physisch Notwendige.

Ein Stativ oder ein Bucherstapel. Das Handy kommt auf Augenhohe. Augenhohe ist da, wo dein Gegenuber sitzen wurde, wenn er fur dich liest. Nicht Boden. Nicht Decke.

Eine Wand hinter dir. Neutral. Kein Fenster. Kein Bucherregal, das mehr uber dich sagt als die Szene.

Ein Fenster oder eine Lampe vor dir. Licht ins Gesicht. Der Kurztest: Siehst du aus wie du, oder siehst du aus wie in einem Verhorfoto?

Ein Lavaliermikro fur rund zwanzig Euro. Das beste Geld, das ich je fur Casting-Equipment ausgegeben habe. Das Handy-Mikro allein nimmt den ganzen Raum auf. Bring das Audio nah an deinen Mund, und der Rest des Setups hort auf zu zahlen.

Das ist das gesamte physische Setup. Kein zweites Handy. Kein ausgedrucktes Drehbuch unter dem Objektiv. Kein zweiter Mitspieler auf einem Stativ.

Dein iPhone als Mitspieler

Beim Mitspieler entscheidet sich, ob das Ein-Handy-Setup tragt oder nicht.

Die Aufgabe eines Mitspielers ist, dir etwas zu geben, worauf du reagieren kannst. Wenn du dir selbst beide Teile aufnimmst und es abspielst, kriegst du das nicht. Deine eigene Stimme, auf Band, ohne eine einzige Uberraschung. Du hörst nach zehn Sekunden auf zuzuhoren.

Was du brauchst, ist eine Stimme, die die anderen Teile im Tempo spricht, in dem sie wirklich gesprochen werden wurden, die fur deine Zeile pausiert und die weitermacht, wenn du fertig bist. Fruher war das ein Mensch. Jetzt kann es das Handy in deiner Tasche sein. Einen ausfuhrlicheren Text uber alle Optionen habe ich in Selftape ohne Mitspieler geschrieben.

Ich hab blablabla fur genau diesen Fall gebaut. Du lädst deine Szene, sagst der App, welche Figur du bist, und sie spricht alle anderen Teile. Wahrend deiner Zeile wartet sie. Kein Timer. Keine feste Spur. Du bist fertig, sie macht weiter. Die Stimmen klingen wie Menschen, nicht wie Navigationssysteme.

Das Neue in 2.0 ist, dass die App jetzt gleichzeitig den Take aufnimmt. Handy auf dem Stativ. Gesicht im Bild. App lauft gleichzeitig fur die Szene und die Kamera. Mitspieler und Kamera in einem Gerat.

Hochformat oder Querformat: entscheid dich vorher

Das hat sich in letzter Zeit verandert.

Die meiste Zeit in der Selftape-Geschichte war die Antwort Querformat. 16:9. Castings wollten das so, und es hatte keinen Sinn, das zu diskutieren.

Die Antwort verschiebt sich. Mehr Breakdowns akzeptieren mittlerweile Hochformat, besonders solche, die uber mobile-first-Portale oder Agentursoftware eingereicht werden, die das Material auf einem Handydisplay abspielt. Manche fordern es explizit. Universal ist das nicht. Lies das Breakdown.

blablabla 2.0.2, das am 5. Mai erschien, unterstutzt beide Ausrichtungen. Die App zwingt dich bei den Framing-Screens nicht mehr ins Querformat. Die Ausrichtung sperrt in dem Moment, in dem du auf Aufnahme druckst, damit der Take stabil bleibt, und der Teleprompter baut sich fur die gewahlte Ausrichtung neu auf. Dreh die Kamera mitten im Take und er halt.

Die Entscheidung, die ich fur mich treffe:

Wenn Casting eine Ausrichtung vorgegeben hat, gibst du ihnen, was sie wollen. Kein Spiel.

Wenn sie nichts vorgegeben haben und das Casting fur Serien, Film oder Werbung ist, defaulte auf Querformat. Das ist noch immer der Standard.

Wenn sie nichts vorgegeben haben und das Projekt sowieso auf einem Handydisplay lauft, ist Hochformat oft die bessere Wahl. Das Gesicht fullt mehr vom Bild, und der Take liest sich richtig auf dem Gerat, auf dem der Casting Director ihn tatsachlich sehen wird. Hochformat hat eigene Framing-Regeln und eigene Fallen. Ich hab das in vertikaler Selftape: drehen fur Short-Form-Drama auseinandergezogen.

Vom gleichen Screen lesen, auf dem du aufnimmst

Der Teleprompter war bisher der Teil, fur den ein zweites Gerat gebraucht wurde.

In 2.0 zeigt das untere Drittel der Kameraansicht drei Zeilen, wahrend du aufnimmst. Den Satz, den dein Mitspieler gerade gesprochen hat. Deine aktuelle Zeile, weiß und fett. Einen Ausblick auf das Nachste. Figurennamen werden ausgefiltert. Farbe tragt die Rolle. Du schaust knapp neben das Objektiv, genau dorthin, wo ein Mitspieler schauen wurde, und dein Text ist direkt da.

Das macht ein Handy genug. Casting sieht den Teleprompter nicht. Sie sehen deinen Blick auf einen sauberen Punkt neben dem Objektiv, genau da, wo sie ihn wollen. Der Text ist unterhalb des Objektivs, nicht an der Wand, nicht auf deinem Schoß.

Wenn du externe Teleprompter-Apps kennst, weißt du das Rhythmusproblem. Die scrollen mit fixer Geschwindigkeit und du passt dein Spiel dem Scrollen an. Der blablabla-Teleprompter scrollt nicht. Er wechselt, wenn die Zeile wechselt, und das passiert erst, wenn du deine Zeile beendet hast und der Mitspieler ubernimmt. Er bewegt sich in deinem Tempo, weil dein Tempo das Tempo ist.

Wenn der Mitspieler doch da ist

Manchmal sagt der Kumpel ja. Nimm ihn mit. Er ist immer noch besser als jede Stimme aus jeder App.

Das Setup funktioniert trotzdem. Du stummst den Mitspieler-Ton im Aufnahme-Modus, und die App hort weiter auf dein Stichwort, ruckt den Teleprompter weiter, wenn dein Mitspieler die Zeile spricht, und halt den Take am Laufen. Der Mitspieler sitzt neben der Kamera, das Drehbuch sitzt unterhalb der Kamera, du spielst. Die App ist das Sicherheitsnetz. Wenn der Mitspieler stolpert oder eine Zeile uberspringt, ist die nachste direkt vor dir.

Zwei-Gerate-Setups ließen das nicht zu. Der Mitspieler war entweder auf Band, oder das Drehbuch stand auf einem Stander, oder beides. Ein echter Mitspieler plus ein Live-Teleprompter hinter ihm ist ein Setup, das ich letztes Jahr noch nicht hatte.

Drei Dinge prufen, bevor du schickst

Ein Handy kann wunderschon aufnehmen und trotzdem einen Take liefern, der nicht funktioniert. Das hier noch einmal durch, bevor du abschickst.

Den Take mit Ton ansehen. Wenn du die Lautstärke hochdrehen musst, um dich selbst zu horen, stimmt das Audio nicht. Nochmal drehen, Mikro naher ran.

Das Framing auf dem Gerat prufen, auf dem Casting es sich anschaut. Wenn das Breakdown Querformat wollte und du im Hochformat gedreht hast, musst du neu drehen. Schau es auf dem Handy an, dann auf dem Laptop. Manche Framing-Probleme zeigen sich nur auf dem großeren Bildschirm.

Blick-Linie beachten. Wenn deine Augen mitten in einer Zeile zum Teleprompter wandern, liest der Take wie eine Textarbeit, nicht wie eine Aufführung. Lauf die Szene ein paarmal durch, bevor du aufnimmst, damit die Worte großtenteils in deinem Kopf sind und der Teleprompter zum Sicherheitsnetz wird, nicht zum Drehbuch.

Wenn die drei Punkte passen, schick es ab. Der Rest ist Szenenarbeit, und die Szenenarbeit war vor dem Einschalten der Kamera.

Das Setup, das endlich funktioniert

Drei Jahre lang war mein Selftape-Kit ein Stativ, ein Handy, ein Bluetooth-Lautsprecher und ein Bucherstapel, der ein zweites Handy mit einem Teleprompter hochhielt. Vier Teile, zwei Gerate, zwei Kabel. Halb der Zeit ist wahrend des Takes irgendwas abgestorben.

Jetzt ist es ein Handy. Kamera auf dem Stativ. Mitspieler in der App. Teleprompter auf der Kameraansicht. Der Take bleibt auf dem Gerat, bis du ihn teilst. So viele Wiederholungen wie du willst. Kein Kumpel am Lautsprecher. Kein zweiter Bildschirm. Keine Entschuldigungs-Nachrichten um Mitternacht.

Das vollstandige Bild der Probe, die vor dem Drehen passiert, findest du in der kompletten Anleitung zum Alleinproben. Den vollstandigen Einreich-Ablauf, von den Seiten bis zum Abschicken, gibt es in der Selftape-Checkliste.

Fur mich ist der Gewinn etwas Kleineres. Ich musste aufgehort haben zu fragen.

blablabla im App Store laden

Elias Munk

Elias Munk ist ein danischer Schauspieler und der Entwickler von blablabla. Vierzehn Jahre im Geschaft. Baute blablabla, weil die Probe nicht der schwierige Teil des Schauspielens sein sollte. Das Spielen schon.

blablabla liest die Texte der anderen Figuren und wartet auf deinen.

Zwei vertonte Szenen gratis. Keine Anmeldung notig.

Fur iOS laden →